Herz

Die Gründe, aus denen sie trinkt, liegen offen vor ihr. Ein schwarzes Loch. Ein blinder Fleck. Ein Wort, das auf der Zunge liegt und nicht über die Lippen kommt. Immer sind es Gründe, aus denen ein Mensch trinkt. Nie eine Quelle. Sehen kann sie den Grund nicht. Ein Spiegel soll dort liegen, sagt Ingeborg Bachmann…

Reboot 01

5. Oktober 2018 Die letzten Beiträge sind in blauem Dunst geschrieben. Unter spirituosem Einfluss. Die vergange Woche der zurück liegenden Auszeit war die schwerste. Nachdem ich zuvor vier Wochen durch Deutschland gereist war, fiel es mir schwer, Daheim anzukommen. Die Wohnung kam mir vor wie ein Gefängnis. Nicht unterwegs zu sein, war nicht auszuhalten. Dabei…

Tag 04 der Nachreisezeit

04. Oktober 2018 Vor fünf Wochen hätte ich diesen Satz für unmöglich gehalten. Heute ändert der Konjunktiv seinen Modus und tut, was er kann: er verbindet. Der Satz schreibt sich in meine Realität ein. Ich weiß, dieser Satz ist endlich. Endlich unter Menschen sein. Endlich etwas tun, das Sinn macht. Endlich das Gefühl, gebraucht zu…

Tag 03 nach der Reisezeit

03. Oktober 2018 Tag Deutscher Einheit. Hm? Heute im Nahen unterwegs. Naher als das Nahe zwischen Görlitz und Vacha. Der Brückenweg. Am nahesten ist dem Tag nach ein sprachlichlichlichich verkehrter Superlativ. Heißt: Das Große im Kleinen finden. Das Obersorbische, das mir in Crostwitz so nahe kam, näher zu wissen als gedacht. Allein die Erkenntnis, dass…

Tag 28

28. September 2018 Mein schöner 28. September: Ich muss keinen Rucksack packen. Ich muss keinen Schlüssel abgeben. Ich muss nicht fortgehen. Ich muss keine Herberge suchen. Ich muss keine Reise notieren. Ich kann.

Tag 27

27. September 2018 Die Füße müssen heute nur von Steig zu Steig steigen. Bahnsteige. Straßenbahn. S-Bahn. Regio. Treppauf. Treppab. Bevor wir in die Steigungen des Tages einsteigen, frühstücken wir in einem Einkaufszentrum. Mir bleibt das halbe Brötchen im Hals stecken. Ich kann nichts mehr zu mir nehmen. Der Appetit der andern ist ungestillt. Die Frage…

Tag 26

26. September 2018 Peter und Volker verlassen die Herberge zuerst. Im Untergeschoss rumpelt und räumt es. Die Kräuterfee räumt die zwei Behelfsmatratzen weg und bereitet den Laden vor. Wir steigen die Treppe zu ihr hinab, um sie zu begrüßen. Gestern liessen uns Freunde der Kräuterfee in die Herberge. Die Kräuterfee steht unter Strom. Sie redet…

Tag 25

25. September 2018 Am Vorabend: Der Bäcker macht um sieben auf, sagt Conny und schaut mich mit ihrem Augenzwinkern, aus dem mich auch die anderen anschauen, an. Ich verstehe. Ich ärgere mich über dies allseitige Verständnis, weil ich diesen Vorabend am Telefon verbracht habe, um Herberge für uns zu finden, während alles schon fröhlich beisammen…

Tag 24

24. September 2018 Die erste, die wach ist, bin ich. Sieben ist meine Stunde. Wäre die Schichtarbeit nicht, wäre das meine natürliche Zeit. Also raus, warm angezogen und zum Bäcker. Schön ist es, als ich aus der Tür trete Zerfetzter Regen Der Wind trägt Wolken davon Still steht der Reiher Ich genieße den Dorffrieden –…

Tag 23

23. September 2018 Wieder unspektakulär dieser Tag. Darin ergehen sie sich sehr gut, diese Tage, und es wird schwer, sich zu erinnern, weil sie die kleinen Worte, Dinge, Klänge, Bilder nicht speichern können. Darin sind sie groß, diese Tage. Die Einkehr hat Auskehr. Geschlossene Gesellschaft. Wir stehen im Regen. Die ausgeschlossene Gesellschaft. Wir frieren. Es…